Ausstellungen


Von Rinko Kawauchi und Lieko Shiga, zwei herausragenden Vertreterinnen der aktuellen japanischen Fotografie. Rinko Kawauchi zeigte 10 großformatige Arbeiten aus ihrem Buch »Utatane« in einem wunderbar großzügigen Kabinett der documenta-Halle. Lieko Shiga zeigte erstmals in Europa alle 60 Bilder aus ihrem Buch »Canary«, das 2008 mit dem wichtigen japanischen »Kimura Ihei Commemorative Photography Award« ausgezeichnet wurde. Als Sonderausstellung zeigte die Galerie Kominek Arbeiten von Greg Girard.


Sonderausstellungen


Gerade wenn es scheint, dass alles schon in jeder denkbaren Art und Weise fotografiert worden ist, kommt ein Fotograf, dessen Arbeiten so originell sind, dass sie das Medium erneuern. Solch eine Fotografin ist Rinko Kawauchi. Sie macht einfache, lyrische Bilder, so frisch und ungewöhnlich, dass sie schwer zu beschreiben oder zu klassifizieren sind. Ihre Bilder dokumentieren alltägliche Dinge, lassen sich aber nicht als dokumentarisch bezeichnen. Sie sind oft leicht und hell und verbreiten gleichzeitig eine irgendwie dunkle Stimmung. Die Bilder sind fast halluzinatorisch, scheinen aber auch etwas Fundamentales über die psychologische Gemütslage des modernen Lebens zu erzählen. Der Titel des Buches »Utatane« meint »Siesta«, was einen traumähnlichen Zustand impliziert, und so könnte auch jedes Bild einem Traum entstammen. Die Anwesenheit einiger Tiere – Insekten, Möwen, Koi-Karpfen, Karnickel – lässt sich im Freudschen Sinne interpretieren. Wenn Kawauchi einen traumähnlichen Zustand hervorzaubert, erschafft sie gleichzeitig eine starke Metapher für das zeitgenössische Leben in einer westlichen Metropole, welches, oberflächlich betrachtet und rein ökonomisch gesehen, für die meisten Menschen recht komfortabel ist. Der Traum, der in Utatane heraufbeschworen wird, ist kein Albtraum. Es passiert nicht allzu viel, aber ein gewisses Ungleichgewicht lässt uns aus dem kurzen Schlaf mit einem undeutlich-konfusen Gefühl, bedrückt und bange erwachen. [Gerry Badger]

Rinko Kawauchi


geboren 1972 in Japan; lebt und arbeitet in Tokio (Japan). Rinko Kawauchi überrraschte die japanische Fotoszene 2001 zeitgleich mit drei Fotobüchern – und landete einen Überraschungserfolg. Im Jahr darauf wurde sie für ihre Bücher »Hanabi« und »Utatane« mit dem »Kimura Ihei Award«, ausgezeichnet – einem der wichtigsten Preise für japanische Fotografie. Heute zählt Rinko Kawauchi zu den bedeutendsten zeitgenössischen Fotografen Japans.
Diese Ausstellung realisieren wir mit der freundlichen Unterstützung der Galerie Priska Pasquer, Köln.


Rinko Kawauchi
Rinko Kawauchi wird das erste Mal einen intensiven Workshop über das Machen eines Fotobuches geben. Der Workshop wird von unserem Media-Partner 3/3 organisiert und findet vom 19. bis 23. Mai in Rom statt. Hier finden Sie weitere Informationen:
 
3/3


The photographic paper becomes the evidence. The printed image appears before me with a raw stench. If the time frame of the present sides with photography, then I am completely on the outside, desperately seeking for a clue for the time I know definitely exists, while trying to escape from the ungraspable and indefinite present that hangs in limbo. Against the flow of time that heads to the death of me, the act of creating a time suspended resembles a prayer, and the image exists on the fine line between a strong desire and persistence on the existence that stands against my existence, when I photograph, I create the mechanism that triggers a coincidence, and moreover, by losing control of the vision that I am conscious of, I await the moment to be shot by the unpredictable camera. If the act of shooting photography is equal to shooting a gun, it would also mean that I would be shot on the other hand, and there is the time to be resuscitated by the act of killing. The body is only a medium. I kept a canary in my belly. [Lieko Shiga]

Lieko Shiga


Lieko Shiga ist 1980 in der Aichi Prefectur, Japan, geboren. Sie studierte Kunst am »Chelsea College of Art and Design« in London und machte dort 2005 ihren Abschluss. Fotografisch ließ sie sich durch eine Art »paranormale« Fotografie, wie sie in der Frühzeit der Fotografie populär war, inspirieren. 2005 erhielt Shiga den Preis der Jury beim »Mio Photo«-Wettbewerb und 2008 den angesehenen »Kimura Ihei Commemorative Photography Award« für ihre Bücher »Lilly« und »Canary«.

Lieko Shiga
Sonderausstellungen

Greg Girard
»In the Near Distance« / »Phantom Shanghai«


Die Galerie Kominek präsentiert zwei Ausstellungen (»In the Near Distance« und »Phantom Shanghai«) des Fotografen Greg Girard sowie ein Fotobuch mit dem Titel »In the Near Distance« und ein gebundenes Porfolio-Buch zu Greg Girard.

Greg Girard


Greg Girard (geboren 1955) ist ein kanadischer Fotograf, der seit 1998 in Shanghai lebt. Seine Arbeit befasst sich in erster Linie mit den baulichen und sozialen Wandlungen in China und Asien. Seine Zeit teilt Girard zwischen Auftragsfotografie für National Geographic und dem Verwirklichen freier Projekte. Die Bilder aus der Serie »Far East – Far West« vermitteln ein starkes filmisches Gefühl. Durch den Einsatz des spezifischen Ektachrom-Diapositivfilms komponiert Girard ein farbenstarkes Puzzle mit einem persönlichen, manchmal düsteren aber immer einfühlsamen Blick auf seine Heimatstadt und die asiatischen Metropolen der 70er und 80er Jahre. Die Bilder scheinen die Suche nach einem imaginären und erträumten Ort zu dokumentieren, sie stellen ein neues Zuhause in dem aufstrebenden Asien dieser Zeit und das Hinter-sich-lassen des westlichen Vancouvers dar. Nach dem Sesshaft-werden in Hong Kong beginnt Girard seine Arbeit als Fotojournalist und beliefert vor allem westliche Zeitschriften und Magazine mit seinen Bildern aus Asien. Gleichzeitig arbeitet er an persönlichen Projekten mit Bildern, die vielleicht nicht immer in die populären Magazine oder Zeitschriften passen. In seinen freien Arbeiten verbindet er auf einzigartige Weise eine klare dokumentarische Sichtweise mit einer poetischen. Meisterhaft zeigt sich dies in seinem Buch »Phantom Shanghai«, einem einzigartigen Stadtporträt und einem Höhepunkt in Girards freiem künstlerischem Werk.

Galerie KominekEin Interview mit Michael Kominek:

Interview